Samstag, 19. Mai 2012

Letztes Update 12.05.2012 11:25

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Die heutige Wirtschaftslage aus berufspädagogischer Sicht – eine Antwort aus studentischer Sicht

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Geschätzter Herr Kantonsrat Bucher
 
Sie werfen wie ein Forscher mit Zahlen um sich, ohne jegliche verlässliche Quelle. Unter einer verlässlichen Quelle verstehe ich in der Schweiz zum Beispiel das Bundesamt für Statistik und in der Forschung Berichte renommierter Professoren.
 
Des Weiteren sind Sie der Meinung, dass 77% des "Kuchens" vom Bund an die ETH, IPFL und an andere Hochschulen gehen würden. Mich überrascht, dass Sie in einer "Eliteposition" des Kantons Luzern stehen und nicht wissen, dass die Universitäten von den Kantonen des jeweiligen Standortes finanziert werden, mit Ausnahme der beiden Eidgenössischen Hochschulen (ETH und IPFL). 77% für diese beiden Universitäten scheint mir als enorme Zahl, berücksichtigt man die prozentuale Verteilung der Schweizer Studenten an den verschiedenen Hochschulen.
 
Um Ihnen gleich ein Argument vorweg zu nehmen, ich bin mir bewusst, dass z.B. der Kanton St. Gallen nicht alleine meine Universität finanzieren kann. Klar werden kleinere Subventionen vom Bund an den Kanton getätigt, doch der grosse Teil des von Ihnen genannten "Universitätskuchen" leistet die Universität selber und bekommt Ausgleichszahlungen der Wohnkantone der jeweiligen Studenten! (www.unisg.ch)
 
Des Weiteren sind die Berufsfachschulen auf kantonaler Ebene angesiedelt, das heisst, auch die Kantone erhalten Subventionen des Bundes, was der Titel eines Lehrdiploms bereits sagt (z.B. eidgenössisch dipl. Sanitärinstallateur). Ich bitte Sie also, dass Sie über die Finanzierung unseres Bildungssystems reflektieren und mit belegten Zahlen und Fakten auf Blogs zu schreiben, auf welchem sich wahrscheinlich vor allem Jugendliche informieren. Da Sie mit "Kantonsrat" unterschreiben haben Sie eine hohe Glaubwürdigkeit, also bitte sprechen Sie nicht Unwahrheiten aus.
 
Als nächstes behaupten Sie, die Schweiz habe wegen ihrer tiefen Maturitätsquote den Ruf als Entwicklungsland. Dass die Schweiz unterschiedliche Maturitäten (Reifediplome) kennt, ist Ihnen hoffentlich bewusst. Dass aber England und Deutschland zum Beispiel nur ein Reifediplom kennen und somit eine Maturität nicht unbedingt dem gleichen Bildungsweg entspricht, liegt auf der Hand.
 
Um auf Ihr "Problem" mit den Lehren zu kommen muss gesagt sein, dass in den europäischen Ländern (weltweit würde den Rahmen sprengen) verschiedene Bildungssysteme herrschen. So entspricht beispielsweise eine Schweizer Lehre als Elektriker in England einem Studium! Die EU hat sich als Ziel vorgenommen, die Anzahl Hochschulabsolventen zu erhöhen (epp.eurostat.ec.europa.eu). Die Länder haben reagiert und die Quote der Maturi und Maturae erhöht. Doch die Anforderungen an die verschiedenen Fakultäten sind unterschiedlich. Das heisst also im Fazit, dass ein Hochschulabschluss der Schweiz ein höherer ist, als es im Ausland der Fall ist. Die Berufslehre wird als solche geschätzt und ist auch ein international anerkanntes Modell.
 
Da ich viel in Europa (vor allem England und Deutschland) reise kann mir Glaube geschenkt werden, wenn ich sage, ich hätte noch nie gehört, dass die Schweizer Lehre als schlecht dargestellt wurde!
 
Besten Dank und eine gute Zeit.
 
Michael Merz
Stud. oec. HSG

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