Über drei Jahre ist es mittlerweile her, als das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) im Oktober 2008 verkündete, dem beliebten Fernsehsender „TeleTell“ die Konzession zu entziehen – und dem Projekt „Tele 1“ der LZ Medien den Zuschlag zu erteilen. Ein Aufschrei ging durch die Innerschweizer Landen, ein Komitee startete flugs eine Petition. Mit Nachdruck: Während bloss einer Woche unterschrieben über 1‘000 Personen die Protestnote „Rettet TeleTell“. Dazu hagelte es Hunderte Protestmails. Die Unsicherheit in der Bevölkerung war gross. Was folgt auf „TeleTell“? Wie geht es weiter am TV-Horizont?
Die LZ Medien geizten nicht mit Versprechungen, um die Sendeerlaubnis – die Konzession – vom BAKOM zu erhalten. So wurde erklärt, die journalistische Qualität stärker zu gewichten sowie mehr Wert auf kritische und ausgewogene Beiträge zu legen. Man stellte eine Wetter- sowie eine Quizsendung in Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus in Aussicht, was jedoch bis heute nicht umgesetzt wurde. Auf die grossen Ankündigungen auf Papier folgte die Ernüchterung. „Lahm“, „verstaubt“, „langweilig“ – das sind nur einige der Prädikate, die in der Bevölkerung in Bezug auf den „Tele 1“-Sendealltag kursieren. Gar vom „Schlaftabletten-Sender“ ist die Rede, und zwar nicht selten.
Wie heisst es doch so schön: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“. Trifft dieses Sprichwort auch bei Fernsehsendern zu? Wenn ja, ist für die Zentralschweizer eine gewisse Besorgnis angezeigt…
Hier der unzensierte Text von Medienwoche.ch zu „Tele 1“:
„Im Konzessionsgesuch von «Tele 1» steht: «Der Sender ist einem kritischen, aber ausgewogenen und fairen Journalismus verpflichtet, der dem Publikum die Meinungsbildung erleichtern soll.» So lautet die Theorie. Die Praxis des Zentralschweizer Fernsehens müsste man dagegen so beschreiben: «Der Sender bietet einen unkritischen und staatsnahen Journalismus, der dem Publikum die Meinungsbildung nicht einfach macht.» Und das geht so: Joachim Eder (FDP) verlebt nach 19 Jahren im Kantonsrat und 10 Jahren im Regierungsrat seinen letzten Arbeitstag als Gesundheitsdirektor des Kantons Zug – weil er in den Ständerat gewählt wurde. Dem zwischen Heiterkeit (Eder findet einen Essensgutschein in der Höhe von 200 Franken, der noch nicht abgelaufen ist) und Wehmut (die Sekretärin: «Es tut schon sehr weh.») angesiedelten Beitrag folgt ein zehnminütiges «Fokus»-Gespräch, in dem Tele1-Chefredaktor Oliver Kuhn dem scheidenden Regierungsrat einen wunderschönen Teppich zur Selbstentfaltung auslegt. Nicht eine kritische Frage muss der Politiker beantworten, stattdessen erinnert ihn Kuhn daran, dass er doch mutig als Erster die Impfungen gegen die Schweinegrippe angeordnet hatte und dass es zu seinem Abschied langen Applaus gab. Die erste Frage an Eder lautet ungelogen: «Ein grosser Abschied?» So fällt Bescheidenheit leicht.
In den beiden anderen Hauptbeiträgen der Nachrichtensendung darf zum einen der Finanzdirektor von Luzern die Details einer Steuererhöhung kommunizieren. Zum anderen geht es um das Kinderatelier Akku, in dem Kinder im Primarschulalter mit Farben experimentieren («Freiräume für kreative Kinder», «Die Kinder geniessen den kreativen Raum ohne Leistungsdruck.»). Die hinter dem Atelier stehende Stiftung Akku ist zwar als gemeinnützige Organisation anerkannt – doch das kann nicht der Grund sein für diesen glattpolierten Bericht, der ein PR-Unternehmen nicht besser hingekriegt hätte. Finanziert wird sie von verschiedenen Sponsoren und Gönnern, rund 200’000 Franken pro Jahr kamen in den letzten vier Jahren von der Gemeinde Emmen.“
Zur Lage der Schweizer TV-Privatsendern heisst es im Generellen:
„32 Millionen Franken erhalten 13 Regionalfernsehsender pro Jahr aus dem Gebührentopf. Neben der SRG ist dies das zweite Standbein des Service public in der Schweiz. Als Gegenleistung für die Gebühren müssen die Sender einen regionalen Service public liefern. Das tun sie ganz zur Zufriedenheit der amtlichen Qualitätsprüfer. Bei der Abstimmung mit der Fernbedienung schneiden die Regionalsender dagegen miserabel ab.
Selbst in ihren Stammlanden erreichen die Privatsender nur Marktanteile um die Ein-Prozent-Marke. Bei der Nutzungsdauer sieht das Bild nicht besser aus. Die wenigen Zuschauer verweilen im Schnitt zehn Minuten bei «ihrem» Sender. Anders als beim Schweizer Fernsehen, wo ein Marktanteil unter 30 Prozent als mittlere Katastrophe gehandelt wird, spielen die Quoten beim regionalen Gebühren-TV keine Rolle. Ausser dem garantierten Geldstrom, hält dieses Modell wenig am Leben. (…)“















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