Die Occupy-Bewegung in der Schweiz ist nun schon über zwei Wochen alt. Der Durchhaltewillen der Aktivisten scheint weiterhin ungebrochen. Jedoch werden die kommenden Tage und Wochen zur nationalen und internationalen Zerreissprobe für die Protest-Bewegung.
Seit dem 15. Oktober 2011 übernachtet eine Gruppe von mehreren Dutzend Menschen auf dem Zürcher Lindenhof hoch über der Limmat. Unter dem Banner der weltweit agierenden Occupy-Bewegung versammelten sich die Leute Mitte Oktober in über 1'000 Städten auf dem ganzen Globus in ihren jeweiligen Machtballungs-Zentren. Sie äusserten dabei ihren Unmut über die momentane globale Finanzpolitik und das Wirtschaftssystem im Allgemeinen. Viele der Aktivisten auf der ganzen Welt liessen sich vom amerikanischen „Occupy Wallstreet“-Vorbild inspirieren und campieren seither auf öffentlichem Grund, um ihren Anliegen Gewicht zu verleihen.
Aufbauphase überstanden
In der Schweiz geniesst vor allem die Aktion „Occupy-Paradeplatz“ die grösste Aufmerksamkeit. Obwohl auch in Genf Menschen versuchen, ein Zeichen zu setzen, erhalten die Zürcher Okkupisten die grösste Beachtung. Seit nun schon über 15 Tagen und Nächten besetzen Aktivisten den Lindenhof und arbeiten seither an einem immer grösser werdenden Netzwerk. Nach dem 15. Oktober entschieden sich knapp 50 Leute, die Occupy-Bewegung über Wochen oder sogar Monate hinweg aufrecht zu erhalten. Seitdem wurden im Zürcher Bankenviertel jeden Samstag Grosskundgebungen durchgeführt. Mit von der Partie sind Organisationen wie zum Beispiel We are Change, Jungsozialisten Schweiz, Junge Grüne, Echte Demokratie Jetzt oder das Zeitgeist Movement. Die Masse der Menschen bilden jedoch unabhängige Individuen, welche mit ihrem Aktivismus einen echten Wandel hervorrufen wollen. Der Enthusiasmus der Bewegung brachte viele Sympathisanten dazu, das Lindenhof-Camp regelmässig mit Nahrung, Energie oder Geld zu unterstützen.
Mit der kollektiven Beteiligung gelang es der Bewegung, auf dem Lindenhof eine kleines Dorf zu errichten. Neben genügend Wasser und Toiletten gibt es auf der Zürcher Erhöhung ein Essens-Zelt, ein Informations-Zelt, ein Kontakt-Zelt (für internationale Skype-Konferenzen mit anderen Occupy-Städten), ein Medienzelt und diverse Erholungsbereiche. Jeden Tag gibt es Vollversammlungen, an denen jeder mitmachen und seine Meinung äussern kann. In Aktionsgruppen sollen die basisdemokratischen Konsens-Beschlüsse anschliessend umgesetzt werden. Die Mechanismen, welche für diese Infrastruktur von Nöten sind, haben sich mittlerweile gut eingespielt. Die Küchenchefs kümmern sich ums Essen, die Medienleute kümmern sich um die Berichterstattung, andere Helfer kümmern sich ums Feuer oder den Abwasch.
Effekt gefragt
Wohin die Protest-Bewegung führen wird, ist noch nicht abzusehen. Doch ein Hauptanliegen scheint sich bisher durchzusetzen. Nämlich, dass die Occupy-Bewegung weiterhin dezentral fortgeführt wird. Einzelne unabhängige Gruppen sollen in möglichst breiter Masse eigene Ideen aufgleisen. Als Ideengeber könnte der US-Amerikaner Mike Gravel in die Geschichte eingehen. Der 80-jährige Ex-Senator ist derzeit auf Europa-Tour, um die Menschen für die direkte Demokratie zu sensibilisieren. Sein Anliegen ist die Stärkung der Mitbestimmungsmöglichkeiten durch das Volk. Aus globaler Sicht hat die Schweiz die direkteste Form der Demokratie. Laut Gravel soll eine noch direktere Form der Demokratie implementiert werden, welche auch die Vorteile des Internet ausnutzt. Gerade die Tatsache, dass es selbst in der Schweiz zu einer „Verbesserung“ der direkten Demokratie kommen kann, soll für internationales Aufsehen sorgen. Dafür wünscht er sich jedoch einen Effort der Occupy-Bewegung.
Möglichkeiten sind gross
Bisher durften die Occupy-Aktivisten ihre Anliegen bereits im Schweizer Fernsehen kundtun. In der Sendung „Club“ sprachen zwei Aktivisten für die ganze Occupy-Bewegung. Was die wöchentlichen Demonstrationen angeht, scheint die Zahl der Protestler stetig zurück zu gehen. Waren am ersten Tag noch knapp 1'500 Menschen auf dem Paradeplatz, kamen eine Woche später weniger als 1'000 Leute nach Zürich um zu demonstrieren. Am Samstag dem 29. Oktober waren schliesslich nur noch knapp 300 Demonstranten vor Ort. Das lag unter anderem auch daran, dass die beteiligte JUSO sich dazu entschloss, anstatt auf dem Paradeplatz vor dem Haus von Novartis-Chef Daniel Vasella in Zug zu protestieren. Somit war der Menschenauflauf vor der Zürcher UBS bzw. Credit Suisse von Anfang an dezimiert.
Für den kommenden November sind schon mehrere, teilweise weltweite, Aktionen in Planung. Am 2. November wird von Occupy-Wallstreet zum internationalen Streik-Tag aufgerufen. Am 4. November soll angeblich das Internet-Portal „Facebook“ von der Hacker-Gruppe Anonymous lahm gelegt werden. Am 5. November sollen überall die Menschen, trotz Chaos-Gefahr, ihr Geld von den Bank-Konti abheben. Schliesslich ist am 11. November 2011 der nächste globale Occupy-Day. Über 230 Städte weltweit haben sich bereits angemeldet. In der Schweiz ist bisher nur Bern als Occupy-Ort bekannt. Trotzdem ist zu erwarten, dass in wenigen Tagen auch andere helvetische Städte sich dem Aufruf zum globalen Protest anschliessen werden.
















.png)